
Hätte mich einer dieser seriösen Pressemenschen die letzte Woche begleitet und eine Reportage für irgendein Polit-Magazin (die aus Holz) gemacht, ich weiß nicht was dabei rausgekommen wäre. Wahrscheinlich ein verstörtes Portrait über die Spezies „Was-mit-Medien-Macher-im-politischen-Berlin“… Oder so. Aber da ich keine aufschreiende Feministin bin und stets zur falschen Zeit an (Hotel)bars rumlungere, macht ja gottseidank keiner Reportagen über mich.
Was war da los? Nun, von Montag bis Mittwoch fand DAS Internet-Ringelpiez Event re:publica auf dem ehemaligen Güterbahnhof am Gleisdreieck statt. Dort hält die angebliche Internetikone Sascha Lobo alljährlich einen Überraschungsvortrag, treffen sich Leute die sich aus ihren twitter-Timelines kennen endlich im Real Life und es finden (fast nebenbei) hochspannende Sessions statt. Wie Claus schreibt: Es ist quasi der Parteitag des Internet .

Mein Highlight waren in diesem Jahr die wissenschaftlich angehauchten Sessions.
Am Montag ging es bei Jörg Braun und Sabria David um Semiotik für Nerds. Dabei haben die beiden am Beispiel einiger Papierschinken der Literaturgeschichte höchst unterhaltsam gezeigt, dass Schreiben, Lesen, Verstehen im Sender-Empfänger-Modell mitnichten immer so einfach ist wie man denkt.
Und dass es diverse Mataebenen im klassischen Gedicht ebenso gibt wie in 140 Zeichen Ironie-Tweet oder eben Bitterernst-Tweet – die beide gründlich missverstanden werden können oder mitunter einer größeren Interpretationsleistung bedürfen als eine kafkasche Kurzgeschichte.
So kamen Geisteswissenschaftler ebenso unerwartet zu geistiger Befriedigung wie Quantenphysik-Nerds . Denn in der zweiten wirklich guten Wissenschafts-Session stellten drei Projektbeteiligte des CMS- sowie ATLAS-Projekts am CERN vor, was BIG DATA in der Grundlagenforschung bedeutet, wo bereits pro Sekunde massenhaft Daten anfallen. Die Möglichkeit, riesige Datenmengen speichern und auswerten zu können, machte es ja erst möglich, das Higgs-Teilchen (oder in Sensations-Sprech: das „Gottesteilchen“) in Myriaden von Teilchenkollisionen zu entdecken.
Gerade die Physiker haben es geschafft, meine Augen leuchten zu lassen. Hätte ich damals in der Schule auch nie gedacht.
Die restliche Bewertung der #rp13 überlasse ich den Leute von amy&pink:
„Wenn es dir gefällt, drei Tage lang in einer analogen digitalen Blase zu leben, in der Sascha Lobo fünf verschiedene Kamerateams, die ihm überall hin folgen, gemietet hat (damit es nicht so auffällt), dann solltest du auf jeden Fall im nächsten Jahr vorbei kommen. Denn im Grunde geht es auf der re:publica nicht um YouTube-Vorträge oder um Leistungsschutzrechte oder um Google-Brillen, sondern um ein Gefühl der Gemeinschaft, einer Familie. Brüder und Schwestern im Geiste.“
Nach diesem Ausflug in die Filterbubble der Internetmenschen machte ich am Donnerstag einen Ausflug in die Vergangenheit. Genauer gesagt nach vor 7000 Jahren in die erste „Megacity“ der Antike. Nein, ich habe leider keine Zeitmaschine erfunden, ja ich war im Museum. Aber dazu mehr in einem gesonderten Beitrag. Habe nämlich beschlossen Euch demnächst mit PattyRo-populärem Wissenschaftskram zu belästigen. In einem gepflegten Crossover von Geschichte, Kunst und Teilchenphysik!

So, und am Freitag hatte #herrbergmann zu einer sehr verrückten Aktion geladen, die es zu verfolgen und in Teilen mitzumachen galt: Gemeinsam mit Johannes fuhr er alle AB-S-Bahnhöfe in Berlin ab. Wahrscheinlich ist #herrbergmann auch deswegen #herrbergmann, weil nur ihm so lustige Dinge einfallen.

Wer ihn übrigens noch nicht kennt: Herr Bergmann ist der einzige mir bisher bekannte Mensch, der gleichzeitig ein Hashtag und sein eigenes Meme ist. Und das ist wirklich beeindruckend.
(NEIN, nicht SOOO ein Meme!!!)

Alle Bilder der Woche gibt es übrigens hier.